Irr-land: Wie attac die irische Bankenrettung verfälscht

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Bild: Ulrike Lacour / pixelio.de

Pünktlich zum Ausscheiden Irlands aus dem Rettungsprogramm der Troika bringt die globalisierungskritische Organisation attac eine Studie heraus, die beweisen soll, dass die Hilfszahlungen nicht den Menschen in Irland, sondern einem abstrakten Finanzsektor zugute kamen. Damit macht attac es sich etwas allzu leicht. Oberflächlich betrachtet stimmt es, dass die Gelder an Banken gezahlt wurden – das liegt nun einmal in der Natur der Sache. Doch bei genauerer Betrachtung der Ursachen für deren Verluste in Irland wird schnell klar, dass das ganze Land davon profitiert.

Banken machten Verluste wegen des Immobilienbooms nach 2000, während dessen fast alle Iren zu Immobilienspekulanten wurden. Auch viele Menschen, die nicht selbst Immobilien kauften, profitierten dennoch vom Boom als Handwerker oder Lieferant. Wie in den meisten europäischen Ländern beschäftigte die Baubranche in Irland rund 10 Prozent der Angestellten und erwirtschaftete einen ähnlich hohen Anteil an der Wirtschaftsleistung. Bezahlt wird all das Bauen und Renovieren natürlich auf Pump.

Jetzt, da das Kind in den Brunnen gefallen ist und die Kredite, mit denen all diese Arbeiter bezahlt wurden, nicht zurückgezahlt werden können, ist es ein bisschen zu einfach, nur den Banken die Schuld zuzuschieben. Jetzt behaupten Alle, die Banken hätten gar nicht erst Kredite vergeben dürfen. Doch wenn das so offensichtlich war, warum wurden denn Baugenehmigungen für all die Immobilien erteilt, die jetzt leer stehen? Warum haben Tausende von Iren Immobilien auf Pump gekauft, die sie nicht brauchten, in der Erwartung, sie mit Gewinn weiter veräußern zu können? Sollten Banken etwa hellseherische Kräfte haben, durch die nur sie allein erkennen können, wenn über Bedarf gebaut wird, während es sonst niemand merkt? All diejenigen, die vom Boom profitiert haben, oder profitieren wollten, reden sich jetzt darauf hinaus, nur Opfer skrupelloser Finanzhaie zu sein. Selbst Fehler einzugestehen erfordert Einiges an Überwindung; ein paar Banken die Schuld zuzuschieben, ist viel angenehmer. attac macht sich zum Werkzeug solcher fauler Ausreden und Rechtfertigungsversuche.

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Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

Es ist eine klassische Revolte von Schuldnern, die nicht zahlen wollen, wenn die Rechnung präsentiert wird. Die Schulden werden kurzerhand als „illegitim“ abgestempelt. Im Mittelalter regelte man einen Schuldneraufstand unkompliziert. Die Kreditgeber wurden als Ketzer verbannt oder landeten gleich auf dem Scheiterhaufen. Die Schuldner waren fein raus. Heutzutage betreibt man es bürokratischer mit endlosen, völlig sinnlosen Gutachten und Studien. attac behauptet, Hedgefonds seien gestützt worden – kaum ein Hedgefonds investiert in Pfandbriefe oder ähnliche, mit Immobilien besicherte und niedrig verzinste Anleihen. Irland hat heute die höchste Auswanderungsrate der EU – dass es vorher jahrelang die höchste Einwanderungsrate hatte, übergeht attac großzügig. 13 Prozent Arbeitslosigkeit sind zwar viel, aber es könnte schlimmer sein wenn man bedenkt, dass vorher 10 Prozent in der Baubranche arbeiteten, die jetzt komplett weggebrochen ist.

Ja, es stimmt, dass die Hilfsgelder an Banken gezahlt wurden. Die hatten aber vorher Tausende von Krediten vergeben, von denen die Menschen in Irland in Form von Arbeitsplätzen und zusätzlichem billigem Wohnraum profitierten. So viel billigem Wohnraum, dass dort jedenfalls keiner auf die Idee kommt, eine Mietpreisbremse zu fordern.

attac macht es sich mit der Auflistung der Zahlungen an Banken ein bisschen zu einfach, wie mit der Behauptung, die Gelder kämen den Menschen nicht zugute. Es ist eine billige Masche, mit der in der Bevölkerung tief verankerte Ressentiments gegenüber dem Finanzwesen aufgewiegelt werden und bei der niemand eine Mitschuld am Desaster eingestehen muss.

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