Argentinien Reserven Abwertung Peso Spekulation

Spekulanten attackieren Argentinien, Venezuela und die Türkei?

Argentinien Reserven Abwertung Peso Spekulation

Argentiniens Devisenreserven. Quelle: Bloomberg

Überrascht sind Beobachter nicht, dass die Währungen von Schwellenländern kriseln. Dieses Phänomen wiederholt sich jedes Mal, wenn der Dollar an Stärke gewinnt. Dann geraten Währungen, die angeblich feste Wechselkurse haben, ins Wanken, wenn Staaten nicht ebenfalls eine Politik einer starken Währung verfolgen. Im augenblicklichen Zyklus geraten wie üblich die Währungen zuerst ins Wanken, deren Regierungen am wenigsten auf Stabilität achten. Und natürlich schiebt man die Schuld auf finstere Mächte, ausländische Spekulanten. Doch wenn jedes Land der Welt behauptet, von ausländischen Spekulanten heimgesucht zu werden, aus welchem Land kommen die dann? Diese mysteriösen Spekulanten müssen Außerirdische sein.

Argentinien hat seit mehr als einem Jahrzehnt ein Problem mit hoher Inflation. Die Regierung steckt den Kopf in den Sand und bestraft jeden, der unabhängige Statistiken zur Inflation veröffentlicht (vgl. das entsprechende Kapitel in meinem bald erscheinenden Buch). Vor einigen Monaten kursierte das Video eines Interviews mit dem damaligen argentinischen Finanzminister im Internet, in dem er sich vor der simplen Frage drückt, wie hoch die Inflation sei (Spanischkenntnisse sind nicht erforderlich).

Verschärft wird das Währungsproblem noch durch schwache Lebensmittelpreise (auch ein Nebeneffekt des starken Dollars), wodurch Argentiniens Exporteinnahmen gesunken sind. Bereits seit mehreren Jahren schrumpfen die Devisenreserven der Zentralbank (Bild), weil die Regierung verzweifelt versucht, den Wechselkurs fest zu halten. Dies ist die fundamentale Schwäche fester Wechselkurse: ihre Anpassung an die wirtschaftliche Realität ist eine politische Entscheidung, vor der sich Regierungen drücken, bis es nicht mehr anders geht.

Mit der Abwertung des Peso auf einen offiziellen Kurs von rund 8 hat Argentinien jetzt gar nichts erreicht. Die Zentralbank wird weiterhin Reserven verlieren, denn der echte Wechselkurs im Parallelmarkt liegt zwischen 12,1 und 12,3. Das ist zwar etwas besser als der Kurs von 13 in der Spitze, aber eine langsame Abwertung im Laufe des Jahres wird sich nicht vermeiden lassen. Ein wichtiger Anhaltspunkt: im Dezember lag die von nichtstaatlichen Beobachtern berechnete monatliche Inflation bei 3,3 Prozent, für Januar werden 4-5 Prozent erwartet. Auf das Jahr hochgerechnet entspricht das also etwa 60 Prozent Inflation.

Im Jahr 2002, als Argentinien bankrott machte, dauerte es sechs Monate, bis der Peso von 1,0 auf 3,6 abwertete. Christina Fernandez wird also noch häufig Tiraden gegen angebliche Spekulanten loslassen.

Venezuela unterhält seit Jahren ein mehrstufiges Wechselkursregime. Je nach Zweck und Branche zahlt man bei Devisentransaktionen einen anderen Kurs. Der offizielle Kurs betrug 6,3 für die meisten Transaktionen, und 11,3 für rund ein Drittel. Wer nicht in einem Sektor mit Zugang zu Devisen aktiv ist und keine Beziehungen hat muss sich auf dem Schwarzmarkt zu einem Kurs von 70 versorgen. Doch die gute Nachricht: einige Beobachter erwarten, dass Venezuela den Schwarzmarkt wieder legalisieren könnte. In der Zwischenzeit finanziert die Regierung ihr Defizit von schätzungsweise 15 Prozent durch Inflation, so dass weiterhin mit Abwertung zu rechnen ist.

Die Türkei ist erst seit den heutigen Zinserhöhungen in den Schlagzeilen, obwohl auch dort die Probleme lange bekannt sind. Nachdem Privatisierungen und echte Reformen durch die politische Krise ins Stocken gerieten, versuchte die Regierung, ihr Haushaltsdefizit durch Steuererhöhungen zu reduzieren. Das klappt selbst in wohlhabenden Ländern wie Frankreich nicht, in einem Land mit mittlerem Einkommen führt es in die Krise. Noch dazu druckt die Zentralbank fleißig Geld und produziert dadurch 8,2 Prozent Inflation. Im Vergleich zu Argentinien und Venezuela ist das zwar wenig, aber trotzdem noch weit von einer stabilen Währung entfernt. Auch hier sucht man die Schuldigen für die hausgemachten Probleme bei ausländischen Mächten: „Ausländische Medien und Wirtschaftslobbys provozieren politische und wirtschaftliche Unruhen in der Türkei,“ wird Premierminister Erdogan zitiert. Die Chance auf eine wirtschaftliche Sanierung wurde vertan. Die heutige Zinserhöhung kann die unvermeidliche Abwertung der türkischen Lira bestenfalls verzögern.

Andere Wackelkandidaten („Die gebrechlichen Fünf,“ wie es ein Analyst von Morgan Stanley bereits im September formulierte) sind neben der Türkei: Indonesien, Südafrika, Indien und Brasilien. Der Ausblick für diese Länder bleibt weiterhin negativ. Wir können uns auf weitere Abwertungen einstellen, sowie viele wüste Ausfälle gegen abstrakte ausländische Spekulanten, die ganz alleine für die Probleme verantwortlich sein sollen.

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