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Verbriefungen sind wieder da. Wie sie der Commerzbank helfen können

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Verbriefungen werden für Verluste während der Finanzkrise verantwortlich gemacht. Natürlich waren nicht Verbriefungen selbst das Problem, sondern Landesbanken, die sie in ihre Bilanz aufnahmen. Noch dazu auf dem Umweg über Zweckgesellschaften, die möglicherweise nicht korrekt bilanziert worden waren.

Wie ich in meinem im März erscheinenden Buch Alternativlos erläutere, wurden Verbriefungen gezielt Anfang der 1990er Jahre durch den amerikanischen Staat gefördert, um Kreditrisiken aus den Banken zu verbannen. Nach der damaligen Immobilienkrise fand sich der Staat im Besitz zahlreicher fauler Immobilienhypotheken. Durch Verbriefungen wurde er sie wieder los und platzierte sie nicht bei Banken, sondern bei echten Anlegern wie Lebensversicherungen und Fonds.

In Europa verstanden die Landesbanken und die in ihren Aufsichtsräten sitzenden Lokalpolitiker diese Zusammenhänge jedoch nicht so richtig und glaubten, Investmentbanking bedeute, möglichst viele Verbriefungen wieder zurück ins Bankensystem zu holen. Sie unterliefen dadurch den Sinn und Zweck der Verbriefungen – was den Steuerzahler teuer zu stehen kam. Verbriefungen gelten seitdem hierzulande als Teufelszeug.

Seit einiger Zeit ignoriert nun die EZB die hysterischen Warnungen vor Verbriefungen und erkennt, dass Europas Bankensystem nicht in der Lage ist, Kredite zu vergeben, wenn gleichzeitig Kapitalanforderungen steigen und Liquiditätsquoten erhöht werden. Verbriefungen sind auch heute und auch in Europa dazu geeignet, Kreditrisiken von den Banken fernzuhalten. Nur: das setzt voraus, dass es echte Kapitalmärkte gibt. Und daran hapert es in Europa, denn Kapital wird nach wie vor mit Banken gleichgesetzt. Jetzt rächt sich also die jahrelange Fokussierung auf Banken und die Abneigung gegen Märkte, weil in Europa die entsprechende Kapitalmarktstruktur fehlt, so dass die EZB selbst als Käufer einspringen will.

Doch zurück zur Commerzbank. Die will dieser Tage 4,4 Milliarden an spanischen Immobilienkrediten aus ihrer Hypothekenbank loswerden. Davon soll etwa ein Viertel notleidend sein und wird von den Kreditnehmern nicht mehr bedient. Nach diesen ausgefallenen Krediten herrscht kräftige Nachfrage von Hedgefonds. An denen, die noch bedient werden, herrscht hingegen kaum Interesse. Der Commerzbank bleibt also nichts anderes übrig, als die Interessenten zum Erwerb einer Mischung aus ausgefallenen und noch bedienten Krediten zu zwingen. Eine Mischung, die eigentlich niemand will. Deshalb werden die Erlöse nicht sehr hoch ausfallen, denn Investoren, die sich auf Kreditausfälle spezialisieren, werden nur wenig bieten, wenn drei Viertel ihrer Investition aus Aktiva besteht, die sie nicht interessieren. Würde die Commerzbank hingegen die guten Kredite von den ausgefallenen trennen, könnte sie die ausgefallenen an die Hedgefonds verkaufen, die guten Kredite hingegen verbriefen und vielleicht sogar so strukturieren, dass hohe Tranchen ein AAA Rating bekommen. Für Marktkritiker mag das nach Hokuspokus klingen, ist aber nichts Anderes als eine effiziente Aufteilung des Kreditrisikos.

Schade, dass es dafür an Kapitalmärkten mangelt.

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