Quelle: Andreas Hermsdorf  / pixelio.de

Finanzmärkte denken doch nicht kurzfristig

Quelle: Andreas Hermsdorf  / pixelio.de

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Ein weitverbreitetes Vorurteil gegen Märkte kritisiert ihre angebliche Kurzsichtigkeit. Apples Aktiensplit scheint dieses Vorurteil nur zu bestätigen: warum würde ein Unternehmen seine Aktien teilen, wenn nicht, um Anleger an der Nase herumzuführen? Die Annahme ist also, das Finanzmärkte von Dummen dominiert werden, die im Gegensatz zu den Finanzmarktkritikern nicht clever genug sind, Tricksereien zu durchschauen. Continue reading Diesem Blog folgentwitterlinkedinrsstwitterlinkedinrss
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Bild: Anteil des Finanzsektors an allen Unternehmensgewinnen in den U.S.A., in Prozent, sowie Gewinn der Zentralbank, in Milliarden Dollar. 
Quelle: Economic Report of the President (2013), U.S. Government Printing Office, März 2013

Die Finanzbranche ist kleiner als man denkt

Die Finanzbranche ist kleiner als man denkt

 

Bild: Anteil des Finanzsektors an allen Unternehmensgewinnen in den U.S.A., in Prozent, sowie Gewinn der Zentralbank, in Milliarden Dollar.  Quelle: Economic Report of the President (2013), U.S. Government Printing Office, März 2013

Anteil des Finanzsektors an allen Unternehmensgewinnen in den U.S.A., in Prozent, sowie Gewinn der Zentralbank, in Milliarden Dollar.
Datenquelle: Economic Report of the President (2013), U.S. Government Printing Office, März 2013

Finanzmarktkritiker echauffieren sich gerne über die Größe des Finanzsektors. Dessen Wachstum sei bedrohlich und ein Zeichen dafür, wie sehr er sich von der Realität abgekoppelt habe. Der Stein des Anstoßes ist der Anteil der Finanzbranche an den Gewinnen aller Unternehmen. Von 1964 bis zur Mitte der 1980er Jahre erwirtschaftete die Finanzbranche in den Vereinigten Staaten 10 bis 20 Prozent aller Unternehmensgewinne. Danach jedoch lag ihr Anteil bis zur aktuellen Krise bei weit über 20 Prozent. Klar, so wird gefolgert, da muss was faul sein.

Auffällig ist in der Tat das Jahr 1986. Es markiert einen Wendepunkt, ab dem der Finanzsektor im Vergleich zum Rest der Unternehmen plötzlich dramatisch höhere Gewinne erwirtschaftete. Mancher Leser wird jetzt vielleicht hellhörig. Denn 1986 war das Jahr, in dem Ronald Reagan Steuerreform in Kraft trat. Seine Reform löste nicht nur einen Immobiliencrash aus, sondern ermutigte auch mehr und mehr Unternehmer dazu, Gewinne aus ihren Unternehmen herauszunehmen und in privates Einkommen umzuschichten.

Umschichtung von Eigentum

Zudem steigerte Reagans Reform die Popularität von Immobilienfonds und anderen Immobilien­gesellschaften. Anstatt Immobilien als Aktiva in einem Unternehmen zu halten, lagerte man sie in eine separate Gesellschaft aus. Immobiliengesellschaften werden steuerlich als Kommanditgesellschaften geführt, so dass Gewinne nur vom Eigentümer selbst versteuert werden müssen. Die Senkung der individuellen Steuersätze im Jahr 1986 machte den Immobilienbesitz durch derartige Vehikel wesentlich attraktiver, als Immobilien im Unternehmen zu belassen.

Die Umschichtung der Immobilien von Unternehmens- in Privateigentum geschah sowohl im kleinen Stil als auch im Großen. Viele große Einzelhandelsketten sind inzwischen dazu übergegangen, ihre Geschäfte nicht mehr selbst zu besitzen, sondern von spezialisierten Immobiliengesellschaften zu mieten. Dadurch spart sich die Handelsketten eine eigene Abteilung zur Immobilienverwaltung. Auch die zunehmende Beliebtheit von Einkaufszentren zwingt Händler dazu, dort Verkaufsräume zu mieten statt freistehende Gebäude zu kaufen. Auch Ärzte mieten ihre Praxisräume oft von Immobiliengesellschaften.

Statistischer Effekt

Das Problem liegt in der statistischen Erfassung dieser neuen Eigentumsverhältnisse. Statistiker zählen Immobiliengesellschaften zur Finanzbranche. Sobald ein Gastwirt in den Ruhestand geht, sein Wirtshaus an eine Immobiliengesellschaft verkauft und ein neuer Pächter es übernimmt, steigt der Anteil der Finanzbranche an der Volkswirtschaft. Und den Teil des Gewinns, den der ursprüngliche Gastwirt durch den Besitz der Immobilie machte, weist die Statistik jetzt nicht mehr als Gewinn im Gaststättengewerbe aus, sondern als Gewinn der Finanzbranche.

Deren Anteil am Gesamtgewinn aller Unternehmen ist dadurch gestiegen, der des Gaststättengewerbes gesunken. Und das, obwohl sich eigentlich nichts geändert hat. Für den Pächter ist es vielleicht sogar besser, nicht Eigentümer zu sein, denn dadurch trägt er nicht das Risiko, ein Hypothek aufnehmen zu müssen. Dieses Risiko trägt nun die Immobiliengesellschaft beziehungsweise deren Eigner.

Skandalisierung unbegründet

Übrigens ist der Gewinn der amerikanischen Zentralbank genauso stark gestiegen wie der Anteil der Finanzbranche an den Unternehmensgewinnen. Sie erwirtschaftet rund ein Fünftel aller Gewinne des Finanzsektors. Will man die Finanzbranche verkleinern, würde es somit schon reichen, die Zentralbank abzuschaffen. Doch so weit will natürlich kein Kritiker der Finanzbranche gehen.

Der Anstieg der Gewinne der Finanzbranche an den Gesamtgewinnen aller Unternehmen nach 1986 geht also in erster Linie auf Umstrukturierung der Rechtsform des Immobilienbesitzes zurück. Die Skandalisierung der Größe der Finanzbranche ist nur ein billiger Taschenspielertrick.

Dieser Beitrag ist zuerst auf der Seite der Huffington Post erschienen.
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EU Umfrage

Marktnische: Wahlkampf mit Politik für Wachstum und Geldwertstabilität

 

EU Umfrage

Bild: Eurobarometer der EU

Umfragen zeigen, dass die vier größten Sorgen europäischer Wähler Inflation, Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Lage und Steuern sind. Themen, die im Wahlkampf und in der politischen Praxis nur mit leeren Floskeln bedient werden. Stattdessen fokussiert sich die Groko umso hyperaktiver auf sekundäre Themen wie Wohnungspolitik, Migration und innere Sicherheit, die bestenfalls lautstarke parteiinterne Querulanten ruhigstellen. Während die Menschen Preiserhöhungen verspüren, warnen Politiker vor den angeblichen Gefahren einer abstrakten Deflation.

Es wäre also eine einmalige Gelegenheit für Parteien, mit einem wachstumsorientiertem und auf Geldwertstabilität ausgerichtetem Programm ihre wirtschaftspolitischer Kompetenz zu beweisen.

  • Wirtschaftliche Lage und Arbeitslosigkeit. Politik kann bekanntlich keine Arbeitsplätze schaffen und auch kein Kapital aus dem Nichts schaffen, das investiert werden kann und dann Arbeitsplätze schafft. Politik kann jedoch ein investitionsfreundliches Umfeld schaffen. Wie man es nicht macht, hat gerade Francois Hollande gezeigt, dessen investitionsfeindliche Politik nach seiner Wahl von der einen Hälfte der Groko bejubelt wurde. Kapital gibt es nicht ohne Kapitalmärkte. Wir brauchen also ungezügelte Finanzmärkte. Wenn man Angst vor Betrügereien hat, kann man die Strafen erhöhen. Frei Märkte, und wer betrügt, der fliegt in den Knast. Orientierungshilfe: Bernie Madoff wurde zu 140 Jahren Gefängnis verurteilt. In Deutschland wäre er wahrscheinlich mit ein paar Jahren davongekommen und bei guter Führung vorzeitig entlassen worden. Freies Wirtschaften mit harten Sanktionen bei schwerem Betrug muss das Motto sein. Der einfache Weg härterer Strafen allein machen allerdings keinen Sinn. Sie schrecken lediglich ehrliche Unternehmer ab, die sich kriminalisiert fühlen, wenn nicht auch gleichzeitig liberalisiert wird. Wachstum ist noch dazu die effizienteste Methode, die Staatsverschuldung abzubauen
  • Inflation. Der Euro ist nun einmal da, ihn schlecht zu machen und seine Abschaffung zu fordern ist kontraproduktiv und unterminiert das Vertrauen in ihn, was über kurz oder lang seine Stabilität unterminiert. Die Aufweichung des Verbot der Staatsfinanzierung durch die EZB ist schwer aufzuhalten, da es zu viele Tricks gibt, es zu umgehen. Drastischere Methoden sind deshalb notwendig, um die Geldwertstabil zu gewährleisten, beispielsweise eine Beschränkung der Bilanzsumme der EZB (bei voller Konsolidierung der Rettungsschirme und Bilanzierung von Repos, Buy/resells und Derivate zum Nominalwert) in Verbindung mit einer Deckelung des Geldmengenwachstums. Langfristig muss man zur Erhaltung des Geldwerts Alternativen zum derzeitigen inflationären Währungssystem suchen.
  • Steuern. Vereinfachung ist das Zauberwort in jedem Parteiprogramm. Doch das Steuersystem ist inzwischen so komplex, dass Versuche einer Vereinfachung die Komplexität nur noch erhöhen. Die einzige Lösung ist ein völliger Neubeginn: die Schaffung eines einfachen Systems mit niedrigen Steuersätzen ohne Ausnahmeregelungen.

Es ist klar, dass solche Forderungen von Kritikern und Theoretikern massiv attackiert, gerupft und als populistisch verschrien werden. Dazu kommt, dass sie angebotsorientiert sind und damit schon vorab unter Generalverdacht stehen. Doch angesichts des Scheiterns keynesianischer Dauerstimulierung, die bisher bestenfalls Investitionen bei chinesischen Konsumgüterherstellern ermuntert hat, nicht aber bei einheimischen Investitionsgüterherstellern, ist eine Abkehr von der gescheiterten Nachfrageorientierung notwendig.

Die Sorgen der Bevölkerung, die man in den Umfragen erkennt, zeigen eindeutig, dass die Menschen in Europa durchaus ein intuitives Verständnis für solides Wirtschaften haben. Was fehlt, sind Politiker, die bereit sind, es mit den lautstarken Verfechtern des etablierten Dirigismus aufzunehmen.

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