Argentinien pleite Elliott Geierfonds

Argentinien bleibt finanzieller Schurkenstaat

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Argentinien pleite Elliott Geierfonds

© Andrea Calistri – Fotolia.com

Ende Juli wird Argentinien bereits zum zweiten Mal innerhalb von nur 13 Jahren pleite sein. Das überrascht nicht, denn Argentinien ist derzeit einer der weltweit schlimmsten finanziellen Schurkenstaaten. Und das aus mehreren Gründen:

  • Ausländische Anleihekäufer, meist europäische Kleinsparer, mussten vor 13 Jahren auf zwei Drittel ihres Kapitals verzichten. Wer sich nicht erpressen lassen wollte, ging leer aus. Die Verluste der Kleinanleger beliefen sich auf rund 60 Milliarden Dollar.

  • Auch Zahlungen an staatliche Kreditgeber stellte Argentinien ein. Damit ging es weiter als Griechenland, das bisher nur private Geldgeber zur Kasse gebeten hat, aber den diversen staatlichen Geldquellen bisher brav Zinsen zahlt. Die Verluste der staatlichen Kreditgeber beliefen sich auf 9,7 Milliarden Dollar.

  • Der spanische Ölkonzern Repsol wurde von der argentinischen Regierung im April 2012 kurzerhand enteignet.

  • Rentensparpläne und Pensionskassen der argentinischen Bürger im Wert von 24 Milliarden Dollar wurden zwangsverstaatlicht und in staatliche Anleihen umgewandelt. Diese verlieren dank einer Inflation von 35 Prozent rapide an Kaufkraft. Für die Rente wird da nicht viel übrig bleiben.

  • Gegen private Forschungsinstitute, die Argentiniens Inflationsrate unabhängig berechnen, wurden Strafverfahren eröffnet, als die geschönten Zahlen der Regierung und die echte Inflation immer weiter auseinanderklafften.

Ein Teil der privaten Anleihebesitzer ging 2001 auf Argentiniens Drohung ein und verzichtete auf zwei Drittel ihrer Forderungen in der Hoffnung, wenigsten einen Teil ihrer Ersparnisse wiederzusehen. Insgesamt waren rund 95 Milliarden Dollar investiert. Eine Minderheit der Anleger, die mit immerhin noch rund 6,6 Milliarden Dollar investiert waren, darunter auch viele europäische Kleinsparer, widersetzte sich dieser Nötigung. Jahrelange Rechtsstreitigkeiten folgten. Argentinien unterlag in allen Instanzen. Vor zwei Jahren zog der oberste Gerichtshof einen Schlussstrich und verdonnerte Argentinien zur Zahlung.

Geierfonds

Doch damit ging es erst richtig los. Die von der argentinischen Regierung als „Geierfonds“ verunglimpften Investoren mussten ihre Forderungen erst einmal eintreiben, was bei zahlungsunwilligen Staaten gar nicht so einfach ist.

Wie skrupellos erpresserische Regierungen gegen Gläubiger vorgehen können, hat Georgien im Fall der israelischen Geschäftsmänner Ron Fuchs und Ze’ev Frenkiel bewiesen, Erst nach einem Jahr Gefängnis samt Herzinfarkt und Schlägertrupp verzichteten sie „freiwillig“ auf 70 Millionen Dollar und wurden freigelassen.

Im Fall Argentiniens kam es in diesem Jahr zu einer gerichtlichen Anordnung, alle ausstehenden Schulden parallel zu anderen fälligen Zinszahlungen zu tilgen, da alle Schuldner gleichberechtigt seien. Argentinien widersetzte sich. Im Juni verbot ein Richter einer amerikanischen Bank, die fälligen Zinszahlung weiterzuleiten – was einen Zahlungsausfall und eine erneute Staatspleite zur Folge haben dürfte. Eine 30-tägige Gnadenfrist läuft am 30. Juli aus.

Stimmungsmache

In ihrer Haltung wird Argentiniens Regierung von vielen gutherzigen bis naiven Kommentatoren unterstützt. Denn der Prozess wurde von einem Hedgefonds geführt, der die Anleihen erst nach der Pleite Argentiniens zu Bruchteilen des Nominalwerts erworben hatte. Das alleine gilt vielen schon als suspekt. Dabei ist es nichts Ungewöhnliches. Inkassounternehmen zahlen Gläubigern stets nur einen Bruchteil der ausstehenden Forderungen, weil bekannt ist, dass sich ein großer Teil davon nicht einfordern lässt und beim Rest hohe Kosten anfallen. Gegen Staaten gibt es jedoch keine Inkassounternehmen, und so ist es durchaus positiv, wenn endlich jemand diese Rolle einnimmt. Denn dadurch entsteht Druck auf skrupellose Staaten, sich im Ernstfall mit ihren Gläubigern zu einigen.

Der Hedgefonds Elliott Associates hat schon in der Vergangenheit erfolgreich Forderungen gegen zahlungsunwillige Staaten eingetrieben. Der Gründer von Elliott, Paul Singer, wird wegen dieser Taktiken angefeindet. Doch dies zeigt nur, wie schlecht die Kommentatoren recherchieren, den die für diese Investition bei Elliott Verantwortlichen sind Jay Newman und Lee Grinberg, deren Fonds unter dem Namen NML firmiert.

Auch wird behauptet, Argentiniens Souveränität würde von amerikanischen Gerichten unterminiert. Doch Argentinien hat sich freiwillig amerikanischem Recht untergeordnet, als es Anleihen in Dollar mit Gerichtsstand New York emittierte.

Es ist ein altes Rechtsprinzip, wonach sich Staaten bei kommerziellen Transaktionen Zivilgerichten unterordnen müssen. So kann beispielsweise eine staatliche Fluggesellschaft bei verlorenem Gepäck den Ersatz nicht mit Berufung auf staatliche Immunität verweigern. Souveränität gilt nur bei souveränen Aufgaben, und das Leihen von Geld bei ausländischen Kleinsparern ist wirklich keine souveräne Angelegenheit.

Normale Gewinne

Bei einer vollständigen Rückzahlung würde dieser Hedgefonds einen Gewinn von über 1.600 Prozent realisieren, wurde von Argentiniens Regierung in Zeitungsanzeigen kolportiert – eine Rendite, die sich für viele „zu hoch“ anfühlt und unmoralisch sein soll. Die Regierung nutzt einen alten Trick: Anstatt der üblichen jährlichen Rendite wird die kumulative Rendite zitiert. So kommen über 13 Jahre gerechnet abenteuerliche Zahlen zusammen, die in einschlägigen Kreisen für Empörung sorgen. Wenn man die Anwaltskosten herausrechnet und korrekt eine jährliche Rendite kalkuliert, kommt man hingegen auf rund 23 Prozent – unterhalb der vom ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann angestrebter Eigenkapitalrendite und weit unter der Eigenkapitalrendite des deutschen Mittelstands, die in der Regel bei rund 30 Prozent liegt.

Doch man kann bezweifeln, dass die Anleihen wirklich komplett samt Zinsen zurückgezahlt werden. Bei Verhandlungen werden die Gläubiger wahrscheinlich einem gewissen Abschlag zustimmen. Die tatsächliche Rendite wird zum Schluss also weit weniger spektakulär als kolportiert ausfallen.

Argentinien hätte das Geld

Die argentinische Regierung hätte dieses Desaster – ohne Gesichtsverlust – vermeiden können, wenn sie sich nicht fahrlässig in ihrer unnachgiebigen Position verbissen hätte. Mit wüsten Beschimpfungen gegen „Geierfonds“ konnte sie zwar bei ihren einheimischen Wählern punkten, kam aber einer Einigung keinen Schritt näher.

Dabei hatte Argentinien einige andere finanzielle und juristische Altlasten kürzlich beigelegt: mit den staatlichen Kreditgebern des „Paris Club“ einigte sie sich im Mai auf Rückzahlung von Schulden in Höhe von 9,7 Milliarden Dollar. Dem spanischen Ölkonzern Repsol zahlte sie eine Entschädigung in Höhe von fünf Milliarden Dollar. Doch bei den vergleichsweise mickrigen 1,5 Milliarden Dollar von Elliott Associates stellt sie auf stur.

Die von Argentinien und dessen Sympathisanten angeführten begrenzten Zentralbankreserven von 29 Milliarden Dollar stehen einer Einigung nicht entgegen. Dank des niedrigen Zinsniveaus könnte das Land außerdem neue Anleihen emittieren und damit die Forderungen begleichen. Insidern zufolge sollen diverse internationale Banken wie Bank of America, Goldman Sachs, J.P. Morgan und UBS kürzlich entsprechende Vorschläge präsentiert haben, sie wurden aber abgewimmelt.

Auch andere Finanzierungsformen sind denkbar, etwa die von Brasilien erfolgreich eingesetzten GDP-Warrants, bei denen die Rückzahlung an einen Anstieg des Bruttosozialprodukts gekoppelt ist und somit nur erfolgt, wenn das Land sich die Zahlung auch wirklich leisten kann. Brady-Bonds nach mexikanischem Vorbild sind eine weitere Möglichkeit. Vermutlich wird es nun erst nach der Abwahl der derzeitigen Kirchner-Regierung im nächsten Jahr zu einer Lösung kommen.

Neue Verluste für Kleinanleger

Derzeit stellt sich Argentinien stur. Das Land wird seinen bereits angekündigten Behelfsplan umsetzen müssen. Dieser sieht vor, dass die bestehenden Anleihen, auf die Argentinien Zinsen zahlen will, in lokale argentinische Anleihen umgewandelt werden, für die es bei einer Bank in Buenos Aires Zinsen geben wird. Für Großinvestoren ist es kein Problem, ihre Gelder in Argentinien abzuholen. Für die meisten Kleinsparer, die bereits vor 13 Jahren auf zwei Drittel ihrer Anlagen verzichten mussten, stellt dies eine unüberwindliche Hürde da. Sie werden wohl die ihnen zustehenden Zinsen niemals sehen. Damit wird Argentinien seinen Ruf als finanzieller Schurkenstaat erneut festigen.

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Gehalt Einkommen Banker

Investmentbanker verdienen zu wenig, Journalisten zu viel

Gehalt Einkommen Banker

Bild: Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

Dieser Beitrag ist zuerst auf Vertriebsnachrichten.de erschienen.

Egal, wie viel oder wie wenig Angestellte der Finanzbranche verdienen, für die meisten Bürger ist es immer noch zu viel. Dabei sind die Gehälter im Finanzsektor in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen. Nichtsdestotrotz schimpfen Öffentlichkeit und Aufsichtsbehörden über das angeblich zu hohe Gehaltsniveau.

Erst vor wenigen Monaten kritisierte der oberste Bankenaufseher der BaFin, Raimund Röseler, Banken für zu viele und zu hohe Boni. Ein Fall von Realsatire: Röseler ist nämlich dafür zuständig, eben jene EU-Regeln umzusetzen, durch die Boni begrenzt werden sollen. Wenn seine Aussagen stimmen, hat er jedenfalls erfolgreich von seinem eigenen Versagen abgelenkt.

Derzeit kursieren Statistiken, wonach der durchschnittliche Investmentbanker im vergangenen Jahr sechs Prozent weniger verdient hat als im Vorjahr, sogar 25 Prozent weniger als 2007. Trotzdem, so murren Beobachter, sei das Einkommen noch viel zu hoch.

Die Statistik trügt

Was kaum jemand weiß: Diese Gehaltsstatistik ist völlig bedeutungslos. Denn dies ist der Betrag, der ausgezahlt wurde. Darin enthalten sind nicht nur das ausgezahlte Gehalt des laufenden Jahres, sondern auch Boni aus längst vergangenen Geschäftsjahren, die nach den neuen Regeln erst mit mehrjähriger Verzögerung ausgezahlt werden dürfen. Die Boni des Jahres 2013 sind in der Statistik nicht erfasst, denn sie werden auch erst mit Verzögerung in den nächsten Jahren ausgezahlt, und dass auch nur, wenn der Banker in der Zwischenzeit nicht entlassen wurde oder freiwillig den Arbeitsplatz gewechselt hat.

Wenn ein Investmentbanker überhaupt keinen Bonus für das Jahr 2013 bekommt, fällt sein Einkommen in der Statistik trotzdem wesentlich höher aus als sein Gehalt, eben weil auch Boni der Vorjahre statistisch erfasst werden. Statistiken über die Bezahlung von Investmentbankern zeigen somit nicht, wie viel Investmentbanker in einem Jahr tatsächlich verdienen.

Bankenhasser steigerten Kapitalisten-Profit

Klar ist: Gehälter in Banken sind stark zurückgegangen. Nicht nur Bankenkritiker dürfen sich darüber freuen. Auch die Aktionäre profitieren davon. Denn noch vor ein paar Jahren ging rund die Hälfte der Einnahmen der Investmentbanken für Personalkosten drauf. Inzwischen sind es im Schnitt nur noch 37 Prozent. Vor der Krise hatten die Angestellten der Finanzbranche die Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit zu ihren Gunsten entschieden. Jetzt liegt das Kapital wieder vorne. Ironie der Geschichte? Bankenhasser haben durch die zahlreichen Beschränkungen der Gehaltsniveaus den kapitalistischen Eigentümern zu mehr Profit verholfen.

Natürlich kann niemand sagen, wie hoch genau denn nun die Bezahlung von Angestellten des Finanzsektors sein soll. Wahrscheinlich würden die Kritiker auch noch schimpfen, wenn die Gehälter auch nur einen Cent über dem Mindestlohn lägen. Ein Vergleich mit Zeitungsverlagen deutet jedoch darauf hin, dass Bankangestellte inzwischen unterbezahlt sein könnten. Die New York Times gibt 38 Prozent ihrer Einnahmen für Personalkosten aus, also ein Prozent mehr als Investmentbanken. Offenbar sind es jetzt Journalisten, die überbezahlt sind. Komisch nur, dass kein Leitartikel darüber verfasst wird.

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Quelle: Die-Newsblogger.de  / pixelio.de

Greenpeace: Unberechtigtes Opfer der Hetze gegen Finanzderivate

Quelle: Die-Newsblogger.de  / pixelio.de

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Dieser Beitrag ist zuerst auf der Seite der Hunffington Post erschienen

Menschen und Medien neigen dazu, komplexe Zusammenhänge nachrichtengerecht zu vereinfachen. Der Fall Greenpeace zeigt einmal mehr, dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen, wenn Finanzmarktkritiker einen vermeintlichen Skandal aufgedeckt haben wollen.

Die Hetze gegen Finanzmärkte hat ein unerwartetes Opfer gefunden: die Umweltorganisation Greenpeace. Diese soll laut Medienberichten 3,8 Millionen Euro bei Spekulationen verloren haben. Leser meiner Beiträge werden überrascht sein, dass ausgerechnet ich Greenpeace in Schutz nehmen möchte. Doch Greenpeace ist in dem Theater um angebliche Währungsspekulationen ein Opfer, das die Geister der Finanzmarktkritik nicht los wird.

Denn: Was wirklich passiert ist, geht in den deutschen Medien völlig unter. Die Financial Times hingegen informierte umfassender. Dort wird der Kommunikationsdirektor von Greenpeace, Mike Townsley, mit den Worten zitiert, ein Angestellter habe im letzten Oktober zukünftige Wechselkurse per Vertrag festgelegt. Eine Strategie, die laut Townsley zum damaligen Zeitpunkt vernünftig erschien.

Tatsächlich sind derartige Absicherungsgeschäfte, besser unter dem Namen „Derivate“ bekannt, eine durchaus vernünftige Strategie – und üblich! Schließlich können sich Organisationen, die weltweit aktiv sind, auf diese Weise gegen Wechselkursschwankungen absichern. Es ist daher nicht grundsätzlich etwas dagegen einzuwenden, wenn eine Organisation, die Ausgaben für Personal und Standorte in Ländern mit stark schwankenden Devisenkursen hat und gleichzeitig über Einnahmen (Spenden) aus Ländern mit dem stabileren Euro verfügt, Derivate nutzt.

Unterschied zwischen realen und buchhalterischen Gewinnen bzw. Verlusten

Im Falle von Greenpeace waren es Futures. Bei diesen Derivaten wird zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses der zukünftige Wechselkurs festlegt, was für Planungssicherheit sorgt. Das Problem bei Derivaten ist jedoch ihre Bilanzierung. Und genau darüber scheint Greenpeace gestolpert zu sein.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem das zugrundeliegende Währungsgeschäft abgewickelt wird, entstehen im Derivat Gewinne oder Verluste, je nachdem, in welche Richtung die Wechselkurse schwanken. Die aktuellen Bilanzierungsregeln sehen vor, dass diese Gewinne oder Verluste verbucht werden. Die Währung bekommt man dann aber zu einem entsprechend teureren oder günstigeren Kurs. Dieser entsprechende Gewinne oder Verluste aus dem zugrundeliegenden Währungsgeschäft erscheinen jedoch nicht in der Bilanz. Dadurch sieht es so aus, als hätte Greenpeace Verluste erlitten, auch wenn diese Verluste durch das tatsächliche Währungsgeschäft ausgeglichen wurden.

In diesem Jahr weist Greenpeace Verluste aus diesen Absicherungsgeschäften aus, was natürlich prompt als fehlgeschlagene Spekulation interpretiert wird. In den drei Jahren bis 2011 hingegen hatte Greenpeace stets Gewinne aus Währungsderivaten verbucht, was in der Presse damals jedoch niemand weiter interessierte. Auch die Aufsichtsgremien von Greenpeace schienen mit den Gewinnen, die ja nur in der Bilanz vorkamen und nicht reell waren, ganz zufrieden gewesen zu sein. Erst als in der Bilanz ein ebenfalls nicht realer buchhalterischer Verlust stand, war die Aufregung so groß, dass man schnell den zuständigen Mitarbeiter feuerte.

Eine gewisse Schadenfreude lässt sich nicht verkneifen, wenn jetzt eine Nichtregierungsorganisation einem völlig ungerechtfertigtem Shitstorm der Finanzmarktkritiker ausgesetzt ist. Viele Unterstützter (Greenpeace hat nur wenige stimmberechtigte Mitglieder und die zahlenden Unterstützer haben kein Mitspracherecht, im Gegensatz zu jedem weit basisdemokratischer organisierten Sportverein) sollen sich bereits von Greenpeace losgesagt habe.

Vielleicht werden ja jetzt die Funktionseliten der Nichtregierungsorganisationen aufwachen und sich überlegen, ob die Strategie, immer nur aus dem Bauch heraus mit einfachen Schlagworten komplexe Zusammenhänge nachrichtengerecht zu vereinfachen ein dauerhaftes Modell darstellt. Diesmal ging die Schlagzeilenempörung jedenfalls nach hinten los.

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Minder-Initiative Schaffhausen Irland Managervergütungen Unternehmensstandort

Verwählt: Irland und Großbritannien lösen die Schweiz als Unternehmensstandort ab

Dieser Beitrag ist zuerst auf der Seite der Huffington Post erschienen

Minder-Initiative Schaffhausen Irland Managervergütungen Unternehmensstandort

© semmickphoto – Fotolia.com

Aktuell zeigt sich in der Schweiz, wie ein Land die eigene Volkswirtschaft ruinieren kann. Und das bereits durch eine einzige Maßnahme. Selbst wenn es um ein hehres Ziel ging wie die soziale Gerechtigkeit. Was die Schweiz jetzt noch retten kann.

Vor gut einem Jahr, im März 2013, stimmten 68 Prozent der Eidgenossen per Volksabstimmung „Gegen die Abzockerei“. Diese fand nicht nur bei vielen Schweizern, sondern auch bei anderen Westeuropäern, die sich um wirtschaftliche Gleichheit sorgten, große Zustimmung.

Die Folge der Abstimmung: Abfindungen oder Begrüßungsgelder für Topmanager sind nun verboten. Zwar ist eine weitere potenzielle „Katastrophe“, die Deckelung der Managergehälter, nach einer erfolglosen zweiten Volksabstimmung im Herbst 2013 vorläufig vom Tisch. Doch der größte anzunehmende Unfall ist schon eingetreten: Der Ruf der Schweiz als attraktiver Unternehmensstandort ist dauerhaft ruiniert!

Konzerne ziehen um

Deutlich wurde dies vor wenigen Tagen, als der Mischkonzern Tyco (Umsatz: 20 Milliarden Dollar, Marktwert: 19 Milliarden Dollar) ankündigte, seinen Hauptsitz von Neuhausen im Kanton Schaffhausen nach Irland zu verlegen. Die Begründung: Die Schweiz sei zu unberechenbar geworden.

Hintergrund ist, dass Tyco an der New Yorker Börse notiert ist. Die Gepflogenheiten und rechtlichen Anforderungen dort sind mit den neuen Schweizer Regeln nicht mehr so leicht zu vereinbaren. Juristen warnen, dass bei im Ausland kotierten Firmen die Aktionäre gleich zweimal über die gleichen Managervergütungen abstimmen müssen, um sowohl den amerikanischen als auch den Schweizer Gesetzen gerecht zu werden.

Kettenreaktion absehbar

Dass es tatsächlich die schlechten Rahmenbedingungen und nicht etwa Steuern sind, weshalb Konzerne wie Tyco aus der Schweiz flüchten, zeigt sich am Beispiel von Weatherford International (Umsatz: 15 Milliarden Dollar, Marktwert: 16 Milliarden Dollar). Der Hersteller von Ausrüstungsgütern für die Erdöl- und Erdgasgewinnung verlegte sein Hauptquartier erst vor fünf Jahren von Houston in die Schweiz. Jetzt kommt der Umzug aus der Schweiz nach Irland, wobei die Firma allerdings nach wie vor Steuern in der Schweiz zahlen wird, also keinen steuerlichen Vorteil daraus zieht. Das Common Law in Irland verträgt sich einfach besser mit dem an der New Yorker Börse gültigen Common Law.

Weatherford ist kein Einzelfall. Pentair (Umsatz: 7,5 Milliarden Dollar, Marktwert: 14 Milliarden) hat bereits vor einiger Zeit angekündigt, ebenfalls die Schweiz zu verlassen. Andere potenzielle Umzugskandidaten sind Foster Wheeler (Umsatz 3,3 Milliarden Dollar, Marktwert: 3,3 Milliarden Dollar), Garmin (Umsatz: 2,6 Milliarden Dollar, Marktwert: 10 Milliarden Dollar) oder Allied World Assurance (Umsatz: 2,2 Milliarden Dollar, Marktwert: 3,6 Milliarden Dollar).

Britische Konkurrenz

Im Gegensatz zur Schweiz haben sich Irland und Großbritannien in den letzten Jahren große Mühe gegeben, in die erste Liga der attraktivsten Unternehmensstandorte aufzusteigen. Wie es der Zufall will gerade rechtzeitig, um von der Schweiz enttäuschte Unternehmen willkommen heißen zu können.

Diese Anstrengungen machen sich nun bezahlt. Es sind nicht nur Flüchtlinge aus den Alpen, die sich auf den britischen Inseln niederlassen wollen. Selbst der amerikanische Pharmariese Pfizer plant seinen britischen Konkurrenten AstraZeneca zu übernehmen und dann eine Gesellschaft englischen Rechts zu werden. Zwar ist Pfizer in der ersten Runde gescheitert, dürfte es aber nach Ablauf der Übernahmewartefrist erneut versuchen. Noble Energy war erst im Jahr 2009 aus der Karibik in die Schweiz umgezogen und erwägt jetzt einen Umzug nach England.

Goldgedeckter Franken als Rettung

Britische Unternehmensberater werden von Anfragen überschüttetet: PricewaterhouseCoopers (PwC) hat mehr als 100 multinationale Kunden, die ihren Sitz nach England verlegen wollen, KPMG hat weitere 94. Bei Ernst & Young sind es nochmal 60. Es sind keineswegs nicht nur Finanzfirmen. KPMG hat in erster Linie Industrieunternehmen und nur acht Finanzfirmen unter den 94.

Der Zug für die Schweiz scheint abgefahren zu sein. Retten kann sie jetzt bestenfalls noch das Volksbegehren „Rettet unser Schweizer Gold“ bringen. Denn ein goldgedeckter Franken wäre zu Zeiten unbeschränkter Anleihenkäufe durch EZB und Fed ein echter Stabilitätsbeweis, der das verlorene Vertrauen wieder herstellen könnte.

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EU Staubsauger

Keine Angst vor Brüsseler Staubsauger-Bürokraten

EU Staubsauger

© JanMika – Fotolia.com

Seit nach den Glühbirnen nun auch leistungsfähige Staubsauger als Klimakiller verboten wurden frage ich mich, wie lange es wohl dauern wird, bis eine marktwirtschaftliche Lösung des Problems kommt. Denn eine alte Faustregel besagt: sobald eine Vorschrift erlassen wird, gibt es jemand, der sie geschickt und clever umgeht. Es muss ja nicht immer gleich Republikflucht sein, durch die sich Bürger über unsinnige bis menschenunwürdige Vorschriften hinwegsetzen. Gerade bei technischen Geräten gibt es einfache aber trotzdem effektive Vermeidungsstrategien, die im Spektrum in der Grauzone zwischen halb- bis ganz legal liegen. Aufgrund der Komplexität der Technik ist es der Bürokratie in einem Rechtsstaat kaum möglich, solche Vermeidungsstrategien zu verhindern.

Ähnlich wird es wohl auch bei Staubsaugern laufen. Der eine oder andere Hersteller wird vielleicht Gerate vertreiben, deren Leistung sich durch einen minimalen Eingriff erhöhen lässt. Vielleicht kann man ja auch zwei erlaubte 900 Watt Staubsauger irgendwie verbinden und so die eigentlich verbotene Leistung von 1.800 Watt erreichen. Vielleicht ist es ja erlaubt, einen Bausatz zu verkaufen. Und da Ausnahmen für Industriestaubsauger gelten, kann man annehmen, dass sich viele Haushalte bald Industriestaubsauger zulegen. Wenn auch das nicht geht, werden Anleitungen im Internet kursieren, wie man einen Leistungssauger aus Einzelteilen herstellen kann.

All das wäre nichts Revolutionäres: schon vor Jahrzehnten wurden Mofas und Mopeds verkauft, die von Halbwüchsigen mit Zugang zu einer haushaltsüblichen Bohrmaschine frisiert werden konnten. Trotz streng regulierten Waffenbesitzes kursieren im Internet bekanntlich Anleitungen, wie man mit einem 3D-Drucker eine zwar funktionsfähige, wenn auch beim augenblicklichen Stand der Technik nicht ohne Verletzungsgefahr nutzbare Pistole drucken kann. Radios mit Empfangsfrequenzen im Polizeifunkbereich durften jahrelang „nur für den Export“ verkauft werden, bis auch diesem Trick ein Riegel vorgeschoben wurde. Doch zu Zeiten softwaredefinierter Empfangsgeräte, wo sich 20-Euro USB DVB-T-Empfänger mit ein bisschen Computerkenntnis auf jede beliebige Frequenz einstellen lassen, sind solche Verbote reine Theorie.

Selbst staatliche Abhörversuche haben eine Gegenbewegung ausgelöst. Verschlüsselung von Emails hat nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch bei Privatpersonen Hochkonjunktur. Auf Kryptoparties wird entspreche Software einem weiten Publikum zugänglich gemacht.

Nicht nur der Staat wird vom Erfindungsgeist der Menschen überrascht. Auch Hersteller von allerlei technischen Geräten wie Routern oder teuren Infrarotkameras müssen mit Schrecken feststellen, dass technisch versierte Nutzer die Billigversionen ihrer Modellpalette kaufen und dann durch einfache Softwareänderung auf die Leistung der oberen Preisklasse aufmöbeln. Handyhersteller stellen die Aktualisierung ihrer Software ein, um dem Verbraucher ein neues Gerät zu verkaufen – doch findige Handybesitzer holen sich ein aktuelles Betriebssystem aus dem Internet und vermeiden einen teuren Neukauf.

Kurzum: keine Angst vor der Bürokratie. Je technisch raffinierter die Welt wird, desto weniger durchsetzbar sind Verbote. Der Markt reagiert auf jede Lücke und Grauzone, von denen es umso mehr gibt, je öfter die Bürokratie interveniert. Sie wird über kurz oder lang zum Papiertiger verkommen.

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spin-off Steuern Abspaltung

Unternehmensabspaltungen (Spin-off): Vermögenssteuer durch die Hintertür

spin-off Steuern Abspaltung

Quelle: PeterFranz / pixelio.de

Der Finanzminister erlebt derzeit, von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, einen unerwarteten Geldsegen. Seine Ursache liegt in den Unternehmensabspaltungen (spin-offs), die gerade von vielen amerikanischen und auch einigen europäischen Unternehmen durchgeführt werden. Bei inländischen Abspaltungen, wie kürzlich der Osrams von Siemens, gibt es keine steuerlichen Auswirkungen. Statt einer Aktie besitzt man zwei, die zusammen den gleichen Wert haben wie die ursprüngliche Aktie. Schlecht sieht es dagegen für deutsche Anleger aus, wenn sich ausländische Unternehmen spalten. Das wird vom Finanzamt grundsätzlich als Sachausschüttung gewertet und besteuert. Begründung: die steuerlichen Charakteristika der ausländischen Muttergesellschaft entsprechen möglicherweise nicht den deutschen Anforderungen für eine steuerfreie Abspaltung. Sicherheitshalber langt das Finanzamt zu.

Derzeit geht eine Welle von Unternehmensrestrukturierungen durch amerikanische Unternehmen. “In der modernen Zeit gehen amerikanische Unternehmen alle 30 Jahre durch ein Periode von Abspecken und Restrukturieren,” zitiert die Financial Times den Gründer von Skybridge, Anthony Scaramucci. “In den 80er Jahren geschah dies durch den Druck der Übernahmen, heute durch aktive Investoren. Alle 30 Jahre werden Unternehmen fett, sie werden träge.”

Für deutsche Sparer wird das teuer, denn die Liste der potentiellen Abspaltungen allein für die Monate Mai und Juni ist lang und hat einen hohen Marktwert:

  • Rayonier Inc. (Marktwert 5,8 Milliarden Dollar)
  • Timken Co (Marktwert 5,8 Milliarden Dollar)
  • The Ensign Group (Marktwert 960 Millionen Dollar)
  • Time Warner / Time (Marktwert 62 Milliarden Dollar)
  • Simon Property (Marktwert 54 Milliarden Dollar)
  • Exelis (Marktwert 3,2 Milliarden Dollar)
  • National Oilwell Varco (Marktwert 35 Milliarden Dollar)
  • NorthStar Realty Finance (Marktwert 5,3 Milliarden Dollar)
  • Oil States International / Civeo (Marktwert 5,3 Milliarden Dollar)
  • Tribune (Marktwert 7,4 Milliarden Dollar)
  • Fidelity National Financial (Marktwert 9,2 Milliarden Dollar)

Insgesamt spalten sich also in nur zwei Monaten Unternehmen im Wert von rund 192 Milliarden Dollar auf. Ein Teil davon dürfte auch deutschen Anlegern gehören, die den Wert der abgespaltenen Unternehmen als Dividenden versteuern müssen. Obwohl sie im Gegensatz zu einer echten Dividende kein Geld erhalten, und auch sonst ihre Investition nicht liquidiert haben. Letztlich handelt es sich hier also um eine Vermögenssteuer durch die Hintertür.

Es gab bereits Bestrebungen, die steuerliche Behandlung ausländischer Abspaltungen derer inländischer anzugleichen. Jedoch konnten sich Bund und Länder nicht auf die Verteilung der Steuerausfälle einigen. Zweifellos wird die Verteilung der Einnahmen einfacher, wenn bald durch die erhöhte Abspaltungsaktivität die Einnahmen sprudeln.

Manche Steuerberater sollen ihren Kunden raten, gegen die Einschätzung des Finanzamts, es handele sich um eine Sachausschüttung, Widerspruch einzulegen. Sollten viele Anleger auf diesen Rat hören, droht den Ämtern eine Widerspruchswelle. Der Gesetzgeber könnte allein dadurch zum Handeln gezwungen sein.

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Depfa Pfandbrief Privatisierung Soffin

DEPFA-Privatisierung: Staat verschenkt Millionen Euros

Depfa Pfandbrief Privatisierung Soffin

© B. Wylezich – Fotolia.com

Dieser Beitrag ist zuerst auf der Huffington Post erschienen.

Was deutsche Politiker von den amerikanischen lernen können, zeigt die geplante Privatisierung der staatlichen Beteiligungen an der Deutschen Pfandbriefbank (DEPFA).

Medienberichten zufolge versucht derzeit der Bund, die Deutsche Pfandbriefbank (DEPFA), zu privatisieren, an der er durch die Soffin und HRE indirekt beteiligt ist. Die Privatisierung ist notwendig, weil er nach einer Abmachung mit der EU diese als illegale staatliche Beihilfe gewertete Beteiligung bis Ende dieses Jahres abstoßen muss. Als Käufer werden derzeit mehrere Konsortien von Hedgefonds genannt: ein europäisches um den ehemaligen UBS-Chef Oswald Grübel sowie zwei Gruppen aus den USA, die eine um Daniel Loebs Third Point, die andere aus derzeit nicht bekanntgegebenen Fonds.

Zwei weitere Konsortien bestehend aus Och-Ziff und Blackstone sowie J.C. Flowers und Apollo sollen in der Vergangenheit geboten haben, scheinen aber inzwischen nicht mehr dabei zu sein. Andere Fonds wie Lone Star, Cerberus, und KKR wurden vor einiger Zeit dem Kreis der Interessenten zugerechnet. Es ist aber nicht klar, ob sie wirklich Interesse hatten oder nur als die üblichen Verdächtigen genannt wurden.

Anteile werden verschleudert

Hedgefonds haben in den letzten Jahren vermehrt in traditionelle Finanzunternehmen investiert. Manche haben Rückversicherungen gegründet, wie beispielsweise Third Point Reinsurance (Third Point) oder SAC Re (Steve Cohens SAC Capital). Die Idee dabei war, eine dauerhafte Kapitalbasis zu schaffen, die von den Fonds verwaltet wird.

Beim Kauf der DEPFA könnten solche Gedanken auch im Spiel sein. Wahrscheinlicher aber ist, dass die potentiellen Käufer auf einen wirtschaftlichen Aufschwung setzen, der die Problemkredite in der Bilanz kuriert. Denn fest steht: Das reine Pfandbriefgeschäft von Kreditvergabe an die öffentliche Hand und Immobilien interessiert angesichts der neuen, hohen Eigenkapitalanforderungen kaum jemand. Es ist schlicht nicht rentabel genug für Hedgefonds. Es sei denn, man kauft die DEPFA extrem billig.

Auf Kosten der Steuerzahler

Nun stellt sich natürlich die Frage, warum die DEPFA ausgerechnet an verhasste Finanzinvestoren verscherbelt werden soll. Offenbar findet sich kein strategischer Käufer – sprich: Banken haben keinen Appetit auf Fusionen. Aber warum ausgerechnet Hedge- und Private Equity Fonds? Über deren Renditevorstellungen schimpfen Politik und Presse sonst immer, sie seien unmoralisch und überzogen.

Wie kommen diese Renditen zustande? Die klassischen Strategies wie Restrukturierung oder Wachstum werden angesichts des Wettbewerbsdrucks im Pfandbiefmarkt kaum in Frage kommen. Bei hohen Dividendenausschüttungen auf Pump werden die Aufsichtsbehörden nicht mitspielen. Bleibt also nur noch ein niedriger Kaufpreis mit Börsengang in 3-5 Jahren. Wenn man eine Rendite von 20 Prozent im Jahr anstrebt muss der Kaufpreis so niedrig angesetzt werden, dass man die Depfa in drei Jahren mit 73 Prozent Gewinn verkaufen muss, oder in fünf mit 149 Prozent Gewinn. Dieser niedrige Verkaufspreis wiederum geht auf Kosten der Allgemeinheit!

Von den Amis lernen

Dabei hätte der Finanzminister durchaus eine Möglichkeit, einen höheren Preis für den Steuerzahler zu erzielen: einen Börsengang. Der kommt früher oder später sowieso, die Frage ist nur, ob jetzt zugunsten der Steuerzahler oder in ein paar Jahren zugunsten der Finanzinvestoren. Aber wer mit den verhassten Finanzmärkten nichts zu tun haben will, muss um diese Lösung natürlich einen weiten Bogen schlagen und die Gewinnchance an andere abtreten.

Wie erfolgreich eine Privatisierung per Börsengang sein kann, hat gerade erst die amerikanische Regierung mit Ally Financial gezeigt, dem ehemaligen Finanzierungsarm von General Motors, der im Jahr 2009 gerettet wurde. Ally hatte zuvor bereits 15,3 Milliarden der 17,2 Milliarden Hilfsgelder zurückgezahlt. Mit der Neuemission nimmt der amerikanische Staat nochmals 2,5 Milliarden ein, was ihn in die Gewinnzone bringt. Außerdem hält der Staat nach der Börsenplatzierung weiterhin rund 15 Prozent der Anteile im Wert von derzeit über 1,5 Milliarden Dollar, hat also mit Ausstieg per Börsengang aus der Rettungsaktion einen hübschen Gewinn erzielt.

Bei der DEPFA wird der deutsche Steuerzahler wohl unterm Strich einen Verlust erleiden. Und wenn die Politik nicht so eine irrationale Abneigung gegen Finanzmärkte hätte, würde der Verlust wohl um ein paar hundert Millionen Euro niedriger ausfallen.

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Quelle: Andreas Hermsdorf  / pixelio.de

Finanzmärkte denken doch nicht kurzfristig

Quelle: Andreas Hermsdorf  / pixelio.de

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Ein weitverbreitetes Vorurteil gegen Märkte kritisiert ihre angebliche Kurzsichtigkeit. Apples Aktiensplit scheint dieses Vorurteil nur zu bestätigen: warum würde ein Unternehmen seine Aktien teilen, wenn nicht, um Anleger an der Nase herumzuführen? Die Annahme ist also, das Finanzmärkte von Dummen dominiert werden, die im Gegensatz zu den Finanzmarktkritikern nicht clever genug sind, Tricksereien zu durchschauen. Continue reading Diesem Blog folgentwitterlinkedinrsstwitterlinkedinrss
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Bild: Anteil des Finanzsektors an allen Unternehmensgewinnen in den U.S.A., in Prozent, sowie Gewinn der Zentralbank, in Milliarden Dollar. 
Quelle: Economic Report of the President (2013), U.S. Government Printing Office, März 2013

Die Finanzbranche ist kleiner als man denkt

Die Finanzbranche ist kleiner als man denkt

 

Bild: Anteil des Finanzsektors an allen Unternehmensgewinnen in den U.S.A., in Prozent, sowie Gewinn der Zentralbank, in Milliarden Dollar.  Quelle: Economic Report of the President (2013), U.S. Government Printing Office, März 2013

Anteil des Finanzsektors an allen Unternehmensgewinnen in den U.S.A., in Prozent, sowie Gewinn der Zentralbank, in Milliarden Dollar.
Datenquelle: Economic Report of the President (2013), U.S. Government Printing Office, März 2013

Finanzmarktkritiker echauffieren sich gerne über die Größe des Finanzsektors. Dessen Wachstum sei bedrohlich und ein Zeichen dafür, wie sehr er sich von der Realität abgekoppelt habe. Der Stein des Anstoßes ist der Anteil der Finanzbranche an den Gewinnen aller Unternehmen. Von 1964 bis zur Mitte der 1980er Jahre erwirtschaftete die Finanzbranche in den Vereinigten Staaten 10 bis 20 Prozent aller Unternehmensgewinne. Danach jedoch lag ihr Anteil bis zur aktuellen Krise bei weit über 20 Prozent. Klar, so wird gefolgert, da muss was faul sein.

Auffällig ist in der Tat das Jahr 1986. Es markiert einen Wendepunkt, ab dem der Finanzsektor im Vergleich zum Rest der Unternehmen plötzlich dramatisch höhere Gewinne erwirtschaftete. Mancher Leser wird jetzt vielleicht hellhörig. Denn 1986 war das Jahr, in dem Ronald Reagan Steuerreform in Kraft trat. Seine Reform löste nicht nur einen Immobiliencrash aus, sondern ermutigte auch mehr und mehr Unternehmer dazu, Gewinne aus ihren Unternehmen herauszunehmen und in privates Einkommen umzuschichten.

Umschichtung von Eigentum

Zudem steigerte Reagans Reform die Popularität von Immobilienfonds und anderen Immobilien­gesellschaften. Anstatt Immobilien als Aktiva in einem Unternehmen zu halten, lagerte man sie in eine separate Gesellschaft aus. Immobiliengesellschaften werden steuerlich als Kommanditgesellschaften geführt, so dass Gewinne nur vom Eigentümer selbst versteuert werden müssen. Die Senkung der individuellen Steuersätze im Jahr 1986 machte den Immobilienbesitz durch derartige Vehikel wesentlich attraktiver, als Immobilien im Unternehmen zu belassen.

Die Umschichtung der Immobilien von Unternehmens- in Privateigentum geschah sowohl im kleinen Stil als auch im Großen. Viele große Einzelhandelsketten sind inzwischen dazu übergegangen, ihre Geschäfte nicht mehr selbst zu besitzen, sondern von spezialisierten Immobiliengesellschaften zu mieten. Dadurch spart sich die Handelsketten eine eigene Abteilung zur Immobilienverwaltung. Auch die zunehmende Beliebtheit von Einkaufszentren zwingt Händler dazu, dort Verkaufsräume zu mieten statt freistehende Gebäude zu kaufen. Auch Ärzte mieten ihre Praxisräume oft von Immobiliengesellschaften.

Statistischer Effekt

Das Problem liegt in der statistischen Erfassung dieser neuen Eigentumsverhältnisse. Statistiker zählen Immobiliengesellschaften zur Finanzbranche. Sobald ein Gastwirt in den Ruhestand geht, sein Wirtshaus an eine Immobiliengesellschaft verkauft und ein neuer Pächter es übernimmt, steigt der Anteil der Finanzbranche an der Volkswirtschaft. Und den Teil des Gewinns, den der ursprüngliche Gastwirt durch den Besitz der Immobilie machte, weist die Statistik jetzt nicht mehr als Gewinn im Gaststättengewerbe aus, sondern als Gewinn der Finanzbranche.

Deren Anteil am Gesamtgewinn aller Unternehmen ist dadurch gestiegen, der des Gaststättengewerbes gesunken. Und das, obwohl sich eigentlich nichts geändert hat. Für den Pächter ist es vielleicht sogar besser, nicht Eigentümer zu sein, denn dadurch trägt er nicht das Risiko, ein Hypothek aufnehmen zu müssen. Dieses Risiko trägt nun die Immobiliengesellschaft beziehungsweise deren Eigner.

Skandalisierung unbegründet

Übrigens ist der Gewinn der amerikanischen Zentralbank genauso stark gestiegen wie der Anteil der Finanzbranche an den Unternehmensgewinnen. Sie erwirtschaftet rund ein Fünftel aller Gewinne des Finanzsektors. Will man die Finanzbranche verkleinern, würde es somit schon reichen, die Zentralbank abzuschaffen. Doch so weit will natürlich kein Kritiker der Finanzbranche gehen.

Der Anstieg der Gewinne der Finanzbranche an den Gesamtgewinnen aller Unternehmen nach 1986 geht also in erster Linie auf Umstrukturierung der Rechtsform des Immobilienbesitzes zurück. Die Skandalisierung der Größe der Finanzbranche ist nur ein billiger Taschenspielertrick.

Dieser Beitrag ist zuerst auf der Seite der Huffington Post erschienen.
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EU Umfrage

Marktnische: Wahlkampf mit Politik für Wachstum und Geldwertstabilität

 

EU Umfrage

Bild: Eurobarometer der EU

Umfragen zeigen, dass die vier größten Sorgen europäischer Wähler Inflation, Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Lage und Steuern sind. Themen, die im Wahlkampf und in der politischen Praxis nur mit leeren Floskeln bedient werden. Stattdessen fokussiert sich die Groko umso hyperaktiver auf sekundäre Themen wie Wohnungspolitik, Migration und innere Sicherheit, die bestenfalls lautstarke parteiinterne Querulanten ruhigstellen. Während die Menschen Preiserhöhungen verspüren, warnen Politiker vor den angeblichen Gefahren einer abstrakten Deflation.

Es wäre also eine einmalige Gelegenheit für Parteien, mit einem wachstumsorientiertem und auf Geldwertstabilität ausgerichtetem Programm ihre wirtschaftspolitischer Kompetenz zu beweisen.

  • Wirtschaftliche Lage und Arbeitslosigkeit. Politik kann bekanntlich keine Arbeitsplätze schaffen und auch kein Kapital aus dem Nichts schaffen, das investiert werden kann und dann Arbeitsplätze schafft. Politik kann jedoch ein investitionsfreundliches Umfeld schaffen. Wie man es nicht macht, hat gerade Francois Hollande gezeigt, dessen investitionsfeindliche Politik nach seiner Wahl von der einen Hälfte der Groko bejubelt wurde. Kapital gibt es nicht ohne Kapitalmärkte. Wir brauchen also ungezügelte Finanzmärkte. Wenn man Angst vor Betrügereien hat, kann man die Strafen erhöhen. Frei Märkte, und wer betrügt, der fliegt in den Knast. Orientierungshilfe: Bernie Madoff wurde zu 140 Jahren Gefängnis verurteilt. In Deutschland wäre er wahrscheinlich mit ein paar Jahren davongekommen und bei guter Führung vorzeitig entlassen worden. Freies Wirtschaften mit harten Sanktionen bei schwerem Betrug muss das Motto sein. Der einfache Weg härterer Strafen allein machen allerdings keinen Sinn. Sie schrecken lediglich ehrliche Unternehmer ab, die sich kriminalisiert fühlen, wenn nicht auch gleichzeitig liberalisiert wird. Wachstum ist noch dazu die effizienteste Methode, die Staatsverschuldung abzubauen
  • Inflation. Der Euro ist nun einmal da, ihn schlecht zu machen und seine Abschaffung zu fordern ist kontraproduktiv und unterminiert das Vertrauen in ihn, was über kurz oder lang seine Stabilität unterminiert. Die Aufweichung des Verbot der Staatsfinanzierung durch die EZB ist schwer aufzuhalten, da es zu viele Tricks gibt, es zu umgehen. Drastischere Methoden sind deshalb notwendig, um die Geldwertstabil zu gewährleisten, beispielsweise eine Beschränkung der Bilanzsumme der EZB (bei voller Konsolidierung der Rettungsschirme und Bilanzierung von Repos, Buy/resells und Derivate zum Nominalwert) in Verbindung mit einer Deckelung des Geldmengenwachstums. Langfristig muss man zur Erhaltung des Geldwerts Alternativen zum derzeitigen inflationären Währungssystem suchen.
  • Steuern. Vereinfachung ist das Zauberwort in jedem Parteiprogramm. Doch das Steuersystem ist inzwischen so komplex, dass Versuche einer Vereinfachung die Komplexität nur noch erhöhen. Die einzige Lösung ist ein völliger Neubeginn: die Schaffung eines einfachen Systems mit niedrigen Steuersätzen ohne Ausnahmeregelungen.

Es ist klar, dass solche Forderungen von Kritikern und Theoretikern massiv attackiert, gerupft und als populistisch verschrien werden. Dazu kommt, dass sie angebotsorientiert sind und damit schon vorab unter Generalverdacht stehen. Doch angesichts des Scheiterns keynesianischer Dauerstimulierung, die bisher bestenfalls Investitionen bei chinesischen Konsumgüterherstellern ermuntert hat, nicht aber bei einheimischen Investitionsgüterherstellern, ist eine Abkehr von der gescheiterten Nachfrageorientierung notwendig.

Die Sorgen der Bevölkerung, die man in den Umfragen erkennt, zeigen eindeutig, dass die Menschen in Europa durchaus ein intuitives Verständnis für solides Wirtschaften haben. Was fehlt, sind Politiker, die bereit sind, es mit den lautstarken Verfechtern des etablierten Dirigismus aufzunehmen.

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