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Greenpeace: Unberechtigtes Opfer der Hetze gegen Finanzderivate

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Dieser Beitrag ist zuerst auf der Seite der Hunffington Post erschienen

Menschen und Medien neigen dazu, komplexe Zusammenhänge nachrichtengerecht zu vereinfachen. Der Fall Greenpeace zeigt einmal mehr, dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen, wenn Finanzmarktkritiker einen vermeintlichen Skandal aufgedeckt haben wollen.

Die Hetze gegen Finanzmärkte hat ein unerwartetes Opfer gefunden: die Umweltorganisation Greenpeace. Diese soll laut Medienberichten 3,8 Millionen Euro bei Spekulationen verloren haben. Leser meiner Beiträge werden überrascht sein, dass ausgerechnet ich Greenpeace in Schutz nehmen möchte. Doch Greenpeace ist in dem Theater um angebliche Währungsspekulationen ein Opfer, das die Geister der Finanzmarktkritik nicht los wird.

Denn: Was wirklich passiert ist, geht in den deutschen Medien völlig unter. Die Financial Times hingegen informierte umfassender. Dort wird der Kommunikationsdirektor von Greenpeace, Mike Townsley, mit den Worten zitiert, ein Angestellter habe im letzten Oktober zukünftige Wechselkurse per Vertrag festgelegt. Eine Strategie, die laut Townsley zum damaligen Zeitpunkt vernünftig erschien.

Tatsächlich sind derartige Absicherungsgeschäfte, besser unter dem Namen „Derivate“ bekannt, eine durchaus vernünftige Strategie – und üblich! Schließlich können sich Organisationen, die weltweit aktiv sind, auf diese Weise gegen Wechselkursschwankungen absichern. Es ist daher nicht grundsätzlich etwas dagegen einzuwenden, wenn eine Organisation, die Ausgaben für Personal und Standorte in Ländern mit stark schwankenden Devisenkursen hat und gleichzeitig über Einnahmen (Spenden) aus Ländern mit dem stabileren Euro verfügt, Derivate nutzt.

Unterschied zwischen realen und buchhalterischen Gewinnen bzw. Verlusten

Im Falle von Greenpeace waren es Futures. Bei diesen Derivaten wird zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses der zukünftige Wechselkurs festlegt, was für Planungssicherheit sorgt. Das Problem bei Derivaten ist jedoch ihre Bilanzierung. Und genau darüber scheint Greenpeace gestolpert zu sein.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem das zugrundeliegende Währungsgeschäft abgewickelt wird, entstehen im Derivat Gewinne oder Verluste, je nachdem, in welche Richtung die Wechselkurse schwanken. Die aktuellen Bilanzierungsregeln sehen vor, dass diese Gewinne oder Verluste verbucht werden. Die Währung bekommt man dann aber zu einem entsprechend teureren oder günstigeren Kurs. Dieser entsprechende Gewinne oder Verluste aus dem zugrundeliegenden Währungsgeschäft erscheinen jedoch nicht in der Bilanz. Dadurch sieht es so aus, als hätte Greenpeace Verluste erlitten, auch wenn diese Verluste durch das tatsächliche Währungsgeschäft ausgeglichen wurden.

In diesem Jahr weist Greenpeace Verluste aus diesen Absicherungsgeschäften aus, was natürlich prompt als fehlgeschlagene Spekulation interpretiert wird. In den drei Jahren bis 2011 hingegen hatte Greenpeace stets Gewinne aus Währungsderivaten verbucht, was in der Presse damals jedoch niemand weiter interessierte. Auch die Aufsichtsgremien von Greenpeace schienen mit den Gewinnen, die ja nur in der Bilanz vorkamen und nicht reell waren, ganz zufrieden gewesen zu sein. Erst als in der Bilanz ein ebenfalls nicht realer buchhalterischer Verlust stand, war die Aufregung so groß, dass man schnell den zuständigen Mitarbeiter feuerte.

Eine gewisse Schadenfreude lässt sich nicht verkneifen, wenn jetzt eine Nichtregierungsorganisation einem völlig ungerechtfertigtem Shitstorm der Finanzmarktkritiker ausgesetzt ist. Viele Unterstützter (Greenpeace hat nur wenige stimmberechtigte Mitglieder und die zahlenden Unterstützer haben kein Mitspracherecht, im Gegensatz zu jedem weit basisdemokratischer organisierten Sportverein) sollen sich bereits von Greenpeace losgesagt habe.

Vielleicht werden ja jetzt die Funktionseliten der Nichtregierungsorganisationen aufwachen und sich überlegen, ob die Strategie, immer nur aus dem Bauch heraus mit einfachen Schlagworten komplexe Zusammenhänge nachrichtengerecht zu vereinfachen ein dauerhaftes Modell darstellt. Diesmal ging die Schlagzeilenempörung jedenfalls nach hinten los.

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Minder-Initiative Schaffhausen Irland Managervergütungen Unternehmensstandort

Verwählt: Irland und Großbritannien lösen die Schweiz als Unternehmensstandort ab

Dieser Beitrag ist zuerst auf der Seite der Huffington Post erschienen

Minder-Initiative Schaffhausen Irland Managervergütungen Unternehmensstandort

© semmickphoto – Fotolia.com

Aktuell zeigt sich in der Schweiz, wie ein Land die eigene Volkswirtschaft ruinieren kann. Und das bereits durch eine einzige Maßnahme. Selbst wenn es um ein hehres Ziel ging wie die soziale Gerechtigkeit. Was die Schweiz jetzt noch retten kann.

Vor gut einem Jahr, im März 2013, stimmten 68 Prozent der Eidgenossen per Volksabstimmung „Gegen die Abzockerei“. Diese fand nicht nur bei vielen Schweizern, sondern auch bei anderen Westeuropäern, die sich um wirtschaftliche Gleichheit sorgten, große Zustimmung.

Die Folge der Abstimmung: Abfindungen oder Begrüßungsgelder für Topmanager sind nun verboten. Zwar ist eine weitere potenzielle „Katastrophe“, die Deckelung der Managergehälter, nach einer erfolglosen zweiten Volksabstimmung im Herbst 2013 vorläufig vom Tisch. Doch der größte anzunehmende Unfall ist schon eingetreten: Der Ruf der Schweiz als attraktiver Unternehmensstandort ist dauerhaft ruiniert!

Konzerne ziehen um

Deutlich wurde dies vor wenigen Tagen, als der Mischkonzern Tyco (Umsatz: 20 Milliarden Dollar, Marktwert: 19 Milliarden Dollar) ankündigte, seinen Hauptsitz von Neuhausen im Kanton Schaffhausen nach Irland zu verlegen. Die Begründung: Die Schweiz sei zu unberechenbar geworden.

Hintergrund ist, dass Tyco an der New Yorker Börse notiert ist. Die Gepflogenheiten und rechtlichen Anforderungen dort sind mit den neuen Schweizer Regeln nicht mehr so leicht zu vereinbaren. Juristen warnen, dass bei im Ausland kotierten Firmen die Aktionäre gleich zweimal über die gleichen Managervergütungen abstimmen müssen, um sowohl den amerikanischen als auch den Schweizer Gesetzen gerecht zu werden.

Kettenreaktion absehbar

Dass es tatsächlich die schlechten Rahmenbedingungen und nicht etwa Steuern sind, weshalb Konzerne wie Tyco aus der Schweiz flüchten, zeigt sich am Beispiel von Weatherford International (Umsatz: 15 Milliarden Dollar, Marktwert: 16 Milliarden Dollar). Der Hersteller von Ausrüstungsgütern für die Erdöl- und Erdgasgewinnung verlegte sein Hauptquartier erst vor fünf Jahren von Houston in die Schweiz. Jetzt kommt der Umzug aus der Schweiz nach Irland, wobei die Firma allerdings nach wie vor Steuern in der Schweiz zahlen wird, also keinen steuerlichen Vorteil daraus zieht. Das Common Law in Irland verträgt sich einfach besser mit dem an der New Yorker Börse gültigen Common Law.

Weatherford ist kein Einzelfall. Pentair (Umsatz: 7,5 Milliarden Dollar, Marktwert: 14 Milliarden) hat bereits vor einiger Zeit angekündigt, ebenfalls die Schweiz zu verlassen. Andere potenzielle Umzugskandidaten sind Foster Wheeler (Umsatz 3,3 Milliarden Dollar, Marktwert: 3,3 Milliarden Dollar), Garmin (Umsatz: 2,6 Milliarden Dollar, Marktwert: 10 Milliarden Dollar) oder Allied World Assurance (Umsatz: 2,2 Milliarden Dollar, Marktwert: 3,6 Milliarden Dollar).

Britische Konkurrenz

Im Gegensatz zur Schweiz haben sich Irland und Großbritannien in den letzten Jahren große Mühe gegeben, in die erste Liga der attraktivsten Unternehmensstandorte aufzusteigen. Wie es der Zufall will gerade rechtzeitig, um von der Schweiz enttäuschte Unternehmen willkommen heißen zu können.

Diese Anstrengungen machen sich nun bezahlt. Es sind nicht nur Flüchtlinge aus den Alpen, die sich auf den britischen Inseln niederlassen wollen. Selbst der amerikanische Pharmariese Pfizer plant seinen britischen Konkurrenten AstraZeneca zu übernehmen und dann eine Gesellschaft englischen Rechts zu werden. Zwar ist Pfizer in der ersten Runde gescheitert, dürfte es aber nach Ablauf der Übernahmewartefrist erneut versuchen. Noble Energy war erst im Jahr 2009 aus der Karibik in die Schweiz umgezogen und erwägt jetzt einen Umzug nach England.

Goldgedeckter Franken als Rettung

Britische Unternehmensberater werden von Anfragen überschüttetet: PricewaterhouseCoopers (PwC) hat mehr als 100 multinationale Kunden, die ihren Sitz nach England verlegen wollen, KPMG hat weitere 94. Bei Ernst & Young sind es nochmal 60. Es sind keineswegs nicht nur Finanzfirmen. KPMG hat in erster Linie Industrieunternehmen und nur acht Finanzfirmen unter den 94.

Der Zug für die Schweiz scheint abgefahren zu sein. Retten kann sie jetzt bestenfalls noch das Volksbegehren „Rettet unser Schweizer Gold“ bringen. Denn ein goldgedeckter Franken wäre zu Zeiten unbeschränkter Anleihenkäufe durch EZB und Fed ein echter Stabilitätsbeweis, der das verlorene Vertrauen wieder herstellen könnte.

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Depfa Pfandbrief Privatisierung Soffin

DEPFA-Privatisierung: Staat verschenkt Millionen Euros

Depfa Pfandbrief Privatisierung Soffin

© B. Wylezich – Fotolia.com

Dieser Beitrag ist zuerst auf der Huffington Post erschienen.

Was deutsche Politiker von den amerikanischen lernen können, zeigt die geplante Privatisierung der staatlichen Beteiligungen an der Deutschen Pfandbriefbank (DEPFA).

Medienberichten zufolge versucht derzeit der Bund, die Deutsche Pfandbriefbank (DEPFA), zu privatisieren, an der er durch die Soffin und HRE indirekt beteiligt ist. Die Privatisierung ist notwendig, weil er nach einer Abmachung mit der EU diese als illegale staatliche Beihilfe gewertete Beteiligung bis Ende dieses Jahres abstoßen muss. Als Käufer werden derzeit mehrere Konsortien von Hedgefonds genannt: ein europäisches um den ehemaligen UBS-Chef Oswald Grübel sowie zwei Gruppen aus den USA, die eine um Daniel Loebs Third Point, die andere aus derzeit nicht bekanntgegebenen Fonds.

Zwei weitere Konsortien bestehend aus Och-Ziff und Blackstone sowie J.C. Flowers und Apollo sollen in der Vergangenheit geboten haben, scheinen aber inzwischen nicht mehr dabei zu sein. Andere Fonds wie Lone Star, Cerberus, und KKR wurden vor einiger Zeit dem Kreis der Interessenten zugerechnet. Es ist aber nicht klar, ob sie wirklich Interesse hatten oder nur als die üblichen Verdächtigen genannt wurden.

Anteile werden verschleudert

Hedgefonds haben in den letzten Jahren vermehrt in traditionelle Finanzunternehmen investiert. Manche haben Rückversicherungen gegründet, wie beispielsweise Third Point Reinsurance (Third Point) oder SAC Re (Steve Cohens SAC Capital). Die Idee dabei war, eine dauerhafte Kapitalbasis zu schaffen, die von den Fonds verwaltet wird.

Beim Kauf der DEPFA könnten solche Gedanken auch im Spiel sein. Wahrscheinlicher aber ist, dass die potentiellen Käufer auf einen wirtschaftlichen Aufschwung setzen, der die Problemkredite in der Bilanz kuriert. Denn fest steht: Das reine Pfandbriefgeschäft von Kreditvergabe an die öffentliche Hand und Immobilien interessiert angesichts der neuen, hohen Eigenkapitalanforderungen kaum jemand. Es ist schlicht nicht rentabel genug für Hedgefonds. Es sei denn, man kauft die DEPFA extrem billig.

Auf Kosten der Steuerzahler

Nun stellt sich natürlich die Frage, warum die DEPFA ausgerechnet an verhasste Finanzinvestoren verscherbelt werden soll. Offenbar findet sich kein strategischer Käufer – sprich: Banken haben keinen Appetit auf Fusionen. Aber warum ausgerechnet Hedge- und Private Equity Fonds? Über deren Renditevorstellungen schimpfen Politik und Presse sonst immer, sie seien unmoralisch und überzogen.

Wie kommen diese Renditen zustande? Die klassischen Strategies wie Restrukturierung oder Wachstum werden angesichts des Wettbewerbsdrucks im Pfandbiefmarkt kaum in Frage kommen. Bei hohen Dividendenausschüttungen auf Pump werden die Aufsichtsbehörden nicht mitspielen. Bleibt also nur noch ein niedriger Kaufpreis mit Börsengang in 3-5 Jahren. Wenn man eine Rendite von 20 Prozent im Jahr anstrebt muss der Kaufpreis so niedrig angesetzt werden, dass man die Depfa in drei Jahren mit 73 Prozent Gewinn verkaufen muss, oder in fünf mit 149 Prozent Gewinn. Dieser niedrige Verkaufspreis wiederum geht auf Kosten der Allgemeinheit!

Von den Amis lernen

Dabei hätte der Finanzminister durchaus eine Möglichkeit, einen höheren Preis für den Steuerzahler zu erzielen: einen Börsengang. Der kommt früher oder später sowieso, die Frage ist nur, ob jetzt zugunsten der Steuerzahler oder in ein paar Jahren zugunsten der Finanzinvestoren. Aber wer mit den verhassten Finanzmärkten nichts zu tun haben will, muss um diese Lösung natürlich einen weiten Bogen schlagen und die Gewinnchance an andere abtreten.

Wie erfolgreich eine Privatisierung per Börsengang sein kann, hat gerade erst die amerikanische Regierung mit Ally Financial gezeigt, dem ehemaligen Finanzierungsarm von General Motors, der im Jahr 2009 gerettet wurde. Ally hatte zuvor bereits 15,3 Milliarden der 17,2 Milliarden Hilfsgelder zurückgezahlt. Mit der Neuemission nimmt der amerikanische Staat nochmals 2,5 Milliarden ein, was ihn in die Gewinnzone bringt. Außerdem hält der Staat nach der Börsenplatzierung weiterhin rund 15 Prozent der Anteile im Wert von derzeit über 1,5 Milliarden Dollar, hat also mit Ausstieg per Börsengang aus der Rettungsaktion einen hübschen Gewinn erzielt.

Bei der DEPFA wird der deutsche Steuerzahler wohl unterm Strich einen Verlust erleiden. Und wenn die Politik nicht so eine irrationale Abneigung gegen Finanzmärkte hätte, würde der Verlust wohl um ein paar hundert Millionen Euro niedriger ausfallen.

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Finanzmärkte denken doch nicht kurzfristig

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Ein weitverbreitetes Vorurteil gegen Märkte kritisiert ihre angebliche Kurzsichtigkeit. Apples Aktiensplit scheint dieses Vorurteil nur zu bestätigen: warum würde ein Unternehmen seine Aktien teilen, wenn nicht, um Anleger an der Nase herumzuführen? Die Annahme ist also, das Finanzmärkte von Dummen dominiert werden, die im Gegensatz zu den Finanzmarktkritikern nicht clever genug sind, Tricksereien zu durchschauen. Continue reading Diesem Blog folgentwitterlinkedinrsstwitterlinkedinrss
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Heiße Luft um Yuan-Handel: Dim Sum in Frankfurt dank Tarek Al-Wazir

Wenn der grüne Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Staatschef Xi Jinping jubeln, dass die Bundesbank und die chinesische Zentralbank jetzt gemeinsam chinesischen Staatskonzernen helfen, die Vorschriften der chinesischen Wechselkursbehörde zu umgehen, dann ist das eher ein Symptom einer aus den Fugen geratenen staatlichen Verwaltung als ungezügelter Finanzmärkte.Continue reading

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Finanztransaktionssteuer = Energiewende 2,0

Mal wieder kommt eine Gebühr, die den Bürger nichts kosten soll: die Finanztransaktionssteuer, auch Tobinsteuer genannt. Von vielen Antikapitalisten seit Jahren zur Eindämmung angeblich ungezügelter Finanzmärkte gefordert, wurde sie ursprünglich durch die geplante Verwendung der Erträge zur Entwicklungshilfe gerechtfertigt. Seit der Finanzkrise braucht man keine Bilder hungernder Kinder mehr, sondern sieht sie als Strafsteuer auf Banken, die in der Krise gerettet wurden. Prompt wurden Entwicklungsländer von finanzmarktkritischen Aktivisten fallen gelassen. Von einer Robin-Hood Steuer ist heute nur noch in Propagandavideos der Organisation attac die Rede.

Weshalb genau Kapital besteuert werden muss, ist ohnehin nicht klar. Schließlich handelt es sich dabei entweder um bereits versteuertes Einkommen, das gespart wurde, oder um zukünftig zu erwartendes Einkommen, dass versteuert wird, wenn es dann tatsächlich verdient wird. Jegliche Besteuerung von Kapital ist also dubios per se.

Letztlich geht die Finanztransaktionssteuer auf ein Missverständnis zurück, nämlich den Irrglauben, Märkte und Banken wären das Gleiche. Darauf beruht die gesamte europäische Finanzarchitektur. Anstatt echte Märkte zu schaffen, auf denen Anleger ihr Kapital investieren, lässt man Banken die Wirtschaft und auch den Staat mit ihren Bilanzen finanzieren. Das Ergebnis: wenn irgendwo ein Staat wackelt, bricht das ganze System zusammen.

Die zu erwartenden Konsequenzen sind schon bekannt. Schweden ging mit einer Finanztransaktionssteuer in den 1980er Jahren baden – die Mehreinnahmen beliefen sich auf gerade einmal 50 Millionen anstatt der versprochenen Milliardensummen. Dazu kam ein Rückgang der Einnahmen von Steuern auf Spekulationsgewinne, weil die Zahl der Transaktionen sank. Unterm Strich verzeichnete Schweden eine kräftiges Minus.

Der britische Wellcome Trust, eine wohltätige Organisation, die Armut in der dritten Welt durch Erträge aus ihrem nicht unerheblichen Stiftungsvermögen bekämpft, geht davon aus, dass sie die Steuer 32 Millionen Pfund im Jahr kosten wird. Das entspricht den Kosten eines Hilfsprojekts in Kenia mit 600 Mitarbeitern. Ähnliche unbeabsichtigte Nebenwirkungen wird die Steuer Sparer haben, die Rücklagen für ihre Rente bilden. Die Fondsgesellschaft BlackRock schätzt, dass ein heute 40jähriger Anleger in einem aktiv verwalteten europäischen Aktienfonds bei einer Anlage von 10.000 Euro nach 20 Jahren durch die Steuer um rund 15.000 Euro schlechter dastehen wird als bisher. Noch absurdere Auswirkungen hat die Steuer auf Staaten, in denen Renten nicht auf dem Umlageverfahren wie in Deutschland und Frankreich, sondern auf Kapitalrücklagen beruhen. Für Lehrer, Krankenschwestern Polizisten und Feuerwehrleute haben amerikanische Kommunen Pensionsfonds eingerichtet, die weltweit, also auch in Europa, investieren. Die werden jetzt auch die Transaktionssteuer zahlen müssen. Damit bleibt aber für die Rentner später nicht weniger übrig. Vielmehr müssen die Kommunen, also der Steuerzahler, höhere Einzahlungen leisten. Kurzum: amerikanische und japanische Steuerzahler werden die europäische Finanztransaktionssteuer finanzieren, die europäische Wohlfahrtsstaaten finanziert.

Es ist also wie bei der Energiewende: sie sollte nichts kosten, zum Schluss ist es aber eben doch der Bürger, der die Rechnung präsentiert bekommt.

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Bild: Melkom / Wikipedia Commons

Verbriefungen sind wieder da. Wie sie der Commerzbank helfen können

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Verbriefungen werden für Verluste während der Finanzkrise verantwortlich gemacht. Natürlich waren nicht Verbriefungen selbst das Problem, sondern Landesbanken, die sie in ihre Bilanz aufnahmen. Noch dazu auf dem Umweg über Zweckgesellschaften, die möglicherweise nicht korrekt bilanziert worden waren.

Wie ich in meinem im März erscheinenden Buch Alternativlos Continue reading Diesem Blog folgentwitterlinkedinrsstwitterlinkedinrss
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Milch Future Spekulation NGO Bloomberg

Derzeit steigen Milchpreise – auch ohne Spekulanten

Milch Future Spekulation NGO Bloomberg

Milch Future. Quelle: Bloomberg

Ein beliebtes Spiel von Gegnern freier Märkte ist es, „Spekulation“ zu rufen, sobald irgendwelche Lebensmittelpreise steigen. Dann werden umfangreiche Studien produziert, die zeigen sollen, wie Finanzjongleure und Banken für Preissteigerungen verantwortlich sind, aufgrund derer Menschen hungern müssen.

Derzeit herrscht auf dieser Front eine ohrenbetäubende Stille, obwohl sich Milchpreise in den letzten paar Jahren verdoppelt haben.Continue reading Diesem Blog folgentwitterlinkedinrsstwitterlinkedinrss
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Venezuelas Börse Lässt Ackermanns Renditeziel Schäbig Aussehen

Die politischen Erben von Hugo Chavez mögen mit seinem Sozialismus des 21. Jahrhunderts zwar das Gesundheitssystem des Landes ruiniert haben, aber in einem Bereich liegen sie ganz vorne: die Börse von Caracas schlägt die Rendite aller anderen Börsen der Welt seit inzwischen fünf Jahren.

Chavez, Kapitalismus, Sozialismus, Finanzmarkt, Rendite

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Viele Beobachter betrachten nur die 475 prozentige Rendite in diesem JahrContinue reading Diesem Blog folgentwitterlinkedinrsstwitterlinkedinrss
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